Wegen 50 Franken halb tot geschlagen
- 16. Apr.
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Am 31. Oktober sass ich am Morgen um 06:45 Uhr gemütlich an unserem Esstisch im Wohnzimmer und ass mein Frühstück, als mich ein Anruf erreichte, der den ganzen Tag verändern sollte. Das Team vom Spital in Mandritsara fragte an, ob wir einen Medevac ganz im Nordosten von Madagaskar machen könnten, da ein Mann von Banditen übel zugerichtet worden war und die Zeit drängen würde.
Einer unserer beiden Helis war bereits im Missionseinsatz, bei der anderen Maschine hatte ich eigentlich für den Tag Unterhaltsarbeiten geplant. Nach kurzem Überlegen sagte ich ihnen, dass wir versuchen werden, diesen Flug zu machen. Die zu fliegende Distanz ist etwa Bern – Paris retour. In ganz Madagaskar sind wir die einzige Organisation, die solche Medevac Flüge in abgelegene Gebiete durchführen können. Nun galt es keine Zeit zu verlieren, denn der Verwundete befand sich in einem kritischen Zustand. Mir war bewusst, dass der Verwundete wohl ohne den Helitransport nicht überleben würde. Als nächstes rief ich das Team im Hangar an, damit sie den Heli sofort bereitstellen konnten, während ich mich an die Flugvorbereitung machte. Nachdem der Heli betankt und für den Rettungsflug umgerüstet war, musste ich noch Bewilligungen der Behörden einholen. Mit den nötigen Papieren machte ich mich auf den fast zweistündigen Flug Richtung Mandritsara. Beim Spital wartete schon ein Arzt, um mit mir eine weitere halbe Stunde Richtung Nordosten zu fliegen. Kurz nach Mittag landeten wir im abgelegenen Dorf.
Als wir den Verwundeten sahen, wurde uns klar, dass die Zeit drängte. Er wurde auf ein Bett gelegt, wo ihn der Arzt als erstes behandelte und für den Flug ins Spital vorbereitete. Eine halbe Stunde später waren wir bereits wieder in der Luft mit Kurs Richtung Mandritsara, wo der Patient dem Spitalteam übergeben wurde. Meine Arbeit war getan und ich konnte anschliessend den Rückflug in die Hauptstadt antreten, wo ich noch vor Sonnenuntergang landete. Der behandelnde Chirurg aus der Schweiz, ist ein guter Bekannter von mir. So wusste ich den verletzten Mann in guten Händen. Die Nachricht, die ich am Abend erhielt, überraschte mich jedoch. Der behandelnde Arzt fasste den Befund folgendermassen zusammen: Lungenkollaps und Verletzung im Brustfell, Durchtrennung der 10. Rippe, Loch im Dickdarm, Loch in der Milz, Loch in Bauchspeicheldrüse und etliche oberflächliche Wunden. Laut seiner Einschätzung wäre der Verwundete ohne den Transport mit dem Heli wohl nicht mehr am Leben.
Als ich zwei Wochen später bei meinem nächsten Einsatz beim Missionsspital landete und mir der Mann entgegenlief, war ich überrascht zu sehen, wie gut es ihm schon wieder ging. Er erzählte mir folgende Geschichte:
Sein Name ist Joseph und er ist Familienvater von vier Kindern. Ende Monat wurde ihm der Monatslohn ausbezahlt. Nachdem er den Monatslohn (umgerechnet etwa 50 Franken) erhalten hatte, wurde er auf dem Nachhauseweg von drei Banditen (einige davon seine Arbeitskollegen) überfallen und mit Messern so übel zugerichtet, dass er bewusstlos wurde. Wahrscheinlich gingen die Banditen davon aus, dass er diesen Angriff nicht überleben würde.
Joseph hat mir einen Teil seiner Wunden gezeigt und sich von Herzen bedankt, was mich sehr berührt hat. Das Team vom Spital in Mandritsara hatte ausgezeichnete Arbeit geleistet. Am Wochenende wurde Joseph aus dem Spital entlassen. Weil ich am letzten Flugtag der Woche ein Team aus der Region, wo Joseph wohnt, abholen musste, konnte ich Joseph und seiner Frau einen Flug anbieten. Somit mussten sie nur noch ein kleines Stück zu Fuss gehen. Dieses Angebot nahm er dankend an. Seinen zweiten Heliflug konnte er wirklich geniessen. Er sagte mir, dass er mit gemischten Gefühlen zurückgehe, weil er nicht genau wisse, was ihn in seinem Heimatdorf erwarten würde. Aber es sei sein Zuhause und er freue sich sehr, seine Kinder wiederzusehen. Er sagte mir auch, dass er alles in Gottes Hände gelegt hätte. Er vertraue Gott, dass er einen guten Plan für seinen Wiedereinstieg in seinem Dorf hätte. Wow, was für ein Zeugnis! Ich freute mich sehr, dass diese Geschichte ein gutes Ende nahm und die Zusammenarbeit mit dem Spital in Mandritsara so gut verlaufen ist. Ich möchte auch Ihnen als Unterstützer der Helimission einen grossen Dank aussprechen. Nur dank Ihnen ist es für uns möglich, solche Einsätze zu fliegen, damit Menschen in Not geholfen werden kann.
Nick, Pilot





















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