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LEBENSGEFAHR IN ÄTHIOPIEN – RESIGNATION (3/5)


Mein Begleiter Georg watete durch das Wasser zu den drei Häusern, um Hilfe zu holen und ich wartete auf ihn. Es schien mir sehr lange zu dauern, bis ich endlich die ersehnten drei Jauchzer hörte, dass er nicht in Gefahr war. Sie klangen unendlich weit weg. Doch bald darauf erschien Georg in Begleitung von zwei weissen Gestalten.


Als sie etwas näherkamen, rief er, ich solle mich blicken lassen, die Männer hätten Angst. Das tat ich auch gleich und redete eine Weile auf Georg ein, damit sie meine Stimme hören konnten. Die beiden hageren, düster aussehenden Männer machten keinen vertrauenerweckenden Eindruck. Sie waren in die typisch weissen Tücher der Somalis gekleidet und sprachen weder Englisch noch Französisch.


Immer noch mit der Vorstellung, Gode sei der nächste Ort, baten wir sie, dort für uns Hilfe zu holen. Mit aller Redekunst versuchten wir ihnen zu erklären, dass wir Treibstoff brauchten. Sie mussten uns landen gesehen haben und wussten daher, dass es sich um einen Helikopter handelte. Nun verlangte jeder von ihnen acht Dollar für Medizin, denn sie behaupteten, sie seien beide krank. Wir gaben ihnen das Geld und baten sie, sogleich loszumarschieren. Sie nickten.


Inzwischen war es schon fast dunkel geworden und die Moskitos frassen uns beinahe auf. Wir konnten kaum mehr Wasser filtern, so aggressiv waren die Biester. Die Somalis hingegen schienen sie überhaupt nicht zu interessieren. Obwohl diese Männer unsere einzige Rettung bedeuteten, traute ich ihnen nicht recht. Nachdem wir uns verabschiedet hatten, taten wir deshalb, als gingen wir auf der Strasse nach Westen weiter, löschten die Lampe nach einer Weile ab, kehrten rasch um und stiegen den Fussweg hoch. Kurz darauf sahen wir mehrere Lichter auf der Strasse. Offensichtlich suchten die Somalis nach uns. Nachdem wir das Plateau erreicht hatten, stiessen wir auf die Strasse, die zum Flugfeld führte. Todmüde marschierten wir Richtung Flugfeld. Wiederum mussten wir mit unserem Wasser haushalten und entschieden, jede halbe Stunde einen Schluck zu trinken. Nun kamen wir zu einer Strassengabelung und rätselten, von welcher Seite wir am Morgen gekommen waren. Wir konnten uns an einen etwa dreissig Meter langen Krater in der Strasse erinnern. Wir wählten die Strasse nach rechts und erwarteten, bald auf den Krater zu stossen. Aber wir konnten ihn nirgends entdecken. Eine erschöpfende Resignation legte sich auf uns. Wir hatten weder den Mut noch die Kraft, zur Verzweigung zurückzumarschieren, und liefen einfach weiter, still betend, ins Ungewisse.


Von Zeit zu Zeit leuchtete ich mit der Taschenlampe umher. Plötzlich wurde ich hellwach. Zu meiner Linken leuchteten zwei Paar Raubtieraugen auf. Sie waren starr auf uns gerichtet. «Angriff ist die beste Verteidigung», dachte ich und fing an zu brüllen, zu schreien und mit den Füssen zu stampfen. Die Katzenaugen starrten uns unbeweglich an. Da griff ich nach einer Leuchtrakete in meiner Hemdtasche und schoss einen roten Schweif mit lautem Knall in Richtung Raubkatze. Als sich unsere Augen wieder an die Dunkelheit gewöhnt hatten, war das Tier verschwunden. Nun beleuchtete ich die Gegend in kürzeren Abständen und erlebte bald eine weitere Überraschung, diesmal eine positive: Unsere Strasse führte nämlich südlich am Flugfeld vorbei. Durch das dünner werdende Gehölz erspähte ich eine Lichtung und wir steuerten darauf los. Bald öffnete sich vor uns das weite Flugfeld mit dem kleinen Helikopter in der Ferne. Unsere Erleichterung war unvorstellbar. Wir waren gerettet, auf Zeit wenigstens.

Wir sammelten gleich Holz für das Lagerfeuer. Beim Öffnen der hinteren Türe des Helikopters erblickte ich zwei tiefe Kratzer, die quer über das Schiebefenster liefen. Die Plexiglasscheibe war zwar noch in der Fassung, aber ganz verbogen und verkeilt. Jemand hatte versucht, sie herauszuwuchten. Bei meinem Versuch, die Scheibe in die Fassung zurückzudrücken, zerbrach sie. Hätten die Diebe nur einmal auf die Scheibe gedrückt, wäre ihnen der Einbruch gelungen. Was dann von unserem Besitz im Helikopter noch übriggeblieben wäre, kann man sich vorstellen.


Am nächsten Vormittag, gegen zehn Uhr, erschienen drei Somalis auf dem Feld und näherten sich uns. Wir erkannten unsere beiden Helfer und staunten, dass sie schon zurück waren. Zu unserem Ärger waren sie aber noch gar nicht gestartet, sondern kamen mit einem dritten Mann daher. Der sei nämlich auch krank und brauche ebenfalls acht Dollar für Medizin und wolle auch mit nach Kelafo. Sie hatten den ganzen Vormittag gewartet, nur um noch einmal acht Dollar zu erbetteln! Nun bat ich meinen grossen, kräftigen Kollegen, die Männer nach Kelafo zu begleiten, um weitere Verzögerungen zu vermeiden …. und für mich war warten angesagt.

(Fortsetzung folgt)




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