Tellerlippen - Schönheit muss leiden

Das Volk der Mursi lebt in den abgelegenen Tälern im Süden Äthiopiens. Die Mursifrauen zieren sich nebst Körperbemalungen mit schmerzhaften Schmucknarben und Lippenteller.

 

Den Mädchen werden im Pubertätsalter die Unterlippen waagrecht durchgeschnitten. Eine Narkose kennen sie nicht. Dieses gelöste Lippenstück wird mit einem Ton- oder Holzteller über Jahre immer stärker gespannt, bis schliesslich ein Teller von 10-15 cm oder auch mehr hineinpasst.

 

Um dem Teller rechten Halt zu geben, werden die Schneidezähne des Unterkiefers mit einem Eisen ausgebrochen. Dadurch kommt der Teller zwischen den beiden Eckzähnen des Unterkiefers zu sitzen. Diese Frauen sind für ihr ganzes Leben verunstaltet. Wenn sie den Teller herausnehmen, hängt die lose Unterlippe bis unter das Kinn. Sie können nie wieder normal sprechen, essen und trinken. Da sie den Mund nicht mehr schliessen können, fliesst ihnen der Speichel dauernd über das Kinn, wo sich dann die Fliegen niederlassen. Sie können die Fliegen kaum vom Mund fernhalten, weil sie ihn nicht mehr schliessen können. Ist der Teller eingespannt, fliesst der Speichel auf den Teller, auf dem sich dann die Fliegen tummeln, die Krankheiten übertragen.

 

Den wahren Grund für dieses schmerzhafte Ritual ist nicht genau bekannt. Man vermutet aber, dass es ein Symbol des Erwachsenwerdens ist. Die Größe des Lippentellers hat zudem einen nicht unwesentlichen Einfluss auf den Brautpreis, den die Brauteltern bei einer Heirat vom zukünftigen Bräutigam verlangen können: Je größer der Teller, desto höher der Preis zum Einheiraten.

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