· 

Sturzfluten auf der Insel Papua in Indonesien

Sintflutartige Regenfälle lösten am Samstagabend, 16. März 2019, in der indonesischen Provinz Papua Sturzfluten aus. Mehr als 90 Personen wurden in den Tod gerissen. Viele wurden verletzt und viele heimatlos. Das Unglück ereignete sich in und um Sentani, nahe der Provinzhauptstadt Yayapura. Unser Team aus Wamena hilft mit einem unserer Helikopter in den abgeschnittenen Gebieten.

 

Eine unserer Mitarbeiterinnen aus Wamena weilte am Unglücksabend bei Freunden in Sentani. Diese erzählen aus erster Hand, wie sie es erlebt haben:

 

Wir hatten starke Regenfälle seit einer Weile und an diesem Abend auch ein heftiges Gewitter. Wir hörten ein lautes Krachen und die Erde bebte… Es war das unverwechselbare Geräusch eines Hangrutsches. Ich rannte nach draussen und hörte das laute Geräusch, das den tobenden Sturm übertönte. Kindergeschrei drang an mein Ohr, aber ich wusste nicht, wo es herkam. Ich rannte die Strasse runter, wo Bäume, Schutt und Geröll die Strasse blockierten. Wo kam das alles her? Der kleine Berg hinter uns konnte all das Wasser nicht mehr schlucken und rutschte ab.

 

Wieder Kindergeschrei. Aus der entgegengesetzten Richtung. Ich rannte nach Hause und erkannte, wo das Schreien herkam. Gleich vom Nachbarsgebäude. Ich traute meinen Augen nicht, was ich sah. Obwohl ein Teil des Hauses noch stand, lag der Rest unter rund 60 cm hohen Trümmern, Geröll und in einem Flussbett. Mein Nachbar kam mit seiner jüngsten Tochter auf dem Arm angerannt und rief «Meine Familie! Meine Familie! Bitte hilf mir!» Ich rannte zu ihrem Haus. Seine Frau und das grössere Kind konnten sich nicht selbst aus den Trümmern befreien. Ich packte das 9-jährige, zitternde Mädchen und trug es aus den Trümmern und beruhigte es.

 

Es ist kaum zu glauben, dass unser Haus unversehrt blieb und das Nachbarhaus mitgerissen wurde und um ein Haar die ganze Familie. Sie erzählten uns später, dass sie sich normalerweise um diese Tageszeit im Wohnzimmer aufhielten, an diesem Abend jedoch im Zimmer nebenan weilten und darum verschont blieben. Sie versuchten sich in diesen Geröllmassen und dem steigenden Wasser zu befreien, es war jedoch fast unmöglich. Dann betete der Mann und kam wieder ein Stück weiter, bis er sich mit einer der Töchter befreien konnte. Genau in dem Moment war ich zur Stelle und konnte dem Rest der Familie heraushelfen.

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0