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Tragisches aus der Pionierzeit - Stammesfehden ohne Ende

Von Ernst Tanner in früheren Jahren in Äthiopien erlebt:

 

Während meiner Arbeit im Omotal (Todestal) überquerten die Bodi den Omofluss und überfielen den Kafastamm. Sie töteten 450 Menschen und raubten ungefähr 3000 Kühe, Schafe und Ziegen. Sie verwüsteten ein Dorf nach dem andern.

 

Ein paar Tage nach dem Überfall besuchte ich diese Kafa-Dörfer und sah, die Leichen herumliegen. Die Ameisen hatten bereits ihre Arbeit getan. Ich sprach mit den wenigen Kafa-Leuten, denen die Flucht gelungen war. Sie erzählten uns, dass das Vieh der Bodis, die einzige Ernährung der Halbnomaden, von einer Seuche dahingerafft worden war. Um den Verlust ihrer Tiere wettzumachen, überfielen die Bodis den Nachbarstamm, der sich ihrer Meinung nach in ihrem Gebiet eingenistet hatte. Zudem glaubt der Bodikrieger, wenn er einen Menschen tötet, dass dessen Geist seinen eigenen Geist ergänzt und er dadurch stärker wird und länger leben kann. Um die Stärke des Geistes des Ermordeten zu messen, schneidet er ihm bei lebendigem Leib das Herz aus der Brust oder die Eingeweide aus dem Bauch, nur um zu sehen, wie lange diese sich noch bewegen.

 

Nur wenig später flog ich mit dem Helikopter im Auftrag des Gouverneurs der Gemu Gofa-Provinz auch zu den Bodi. Ich sollte ihnen medizinische, landwirtschaftliche und tierärztliche Hilfe anbieten, unter der Bedingung, dass sie mit Rauben und Morden aufhören. Der Bodihäuptling nahm mein Angebot an, er war einverstanden. Später wurde ein Tierarzt mit Impfstoffen in das Gebiet der Bodi eingeflogen.

 

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