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Jung und schon reich

Ein Bericht einer unserer Mitarbeiter-Familien in Madagaskar:

 

Wir leben nun schon nahezu zwölf Jahre als Familie in Antananarivo. Damals waren unsere beiden Töchter gut 6 und 3 Jahre alt. Einige unserer Freunde und Verwandten sagten uns, dass es unvernünftig und unverantwortlich sei, mit zwei so kleinen Kindern an einen solchen Ort zu ziehen und sie mit solch drastischen Veränderungen zu konfrontieren.

 

Natürlich verlief nicht immer alles glatt. Es gab Kämpfe und schwere Zeiten. Es ist nicht ungefährlich, in solchen Ländern zu leben. Es gab Zeiten der politischen Unsicherheit mit Unruhen, wodurch wir als Familie und besonders unsere Kinder mit Ausschreitungen, Gewalt und Chaos konfrontiert wurden. Da wird Sicherheit ein tägliches Thema. Ausserhalb des Schulhofes, Kirchengeländes und dem sicheren Zuhause werden ausländische Kinder, und vor allem Mädchen, fast dauernd belästigt, sogar sexuell. Als Eltern muss man da wachsam sein. Unsere Töchter sind manchmal etwas zurückhaltend im Vertrauen fremden Menschen gegenüber, weil sie gestossen, geschubst, angestarrt, belästigt wurden und über sie getratscht wurde, sobald sie sich ausserhalb des Eingangstores bewegten. Unsere Kinder haben extreme Armut, Tod und Seuchen hautnah miterlebt, viel mehr als andere Gleichaltrige in Europa. Sie begleiteten mich auf Einsätzen zu den Ärmsten der Armen, die auf Müllhalden ihr Leben fristen, um ihnen mit Essen und medizinischer Hilfe zu dienen und ihnen die Gute Nachricht zu erzählen. Dadurch lernten sie zu teilen und dankbar für das zu sein, was sie haben.

 

Kinder, die in Drittweltländern aufwachsen, haben meistens keinen Zugang zu kulturellem Leben und Einrichtungen wie in Europa oder Übersee. Es gibt keine Schlösser und Burgen, keine Unterhaltungsparks und Sportzentren, keine Wälder zum Durchstreifen oder Skigebiete, keine Kinos. Zudem sind sie weit weg von Verwandten. Es vergehen Monate und Jahre, ohne dass sie ihre Grosseltern, Tanten, Onkel und Cousins sehen. Manchmal müssen sie es mit gestressten Eltern aushalten, die selbst mit ihrer kulturellen Identität zu kämpfen haben. Der Verkehr ist gefährlich, Krankheiten und Seuchen sind verbreitet und können rasch sehr ernste Situationen hervorrufen, weil medizinische Versorgung und Fachärzte fehlen. Täglich beten wir um Gottes Schutz über unseren Kindern. Aber der Segen, im Zentrum von Gottes Willen zu leben, übertrifft bei weitem all die oben erwähnten Unannehmlichkeiten. Unsere Mädchen haben gelernt, Beziehungen mit Menschen ganz unterschiedlicher Kulturen und Hintergründen zu pflegen. Zudem wuchsen sie beschützt vor Europa’s negativen Strömungen und einer Wegwerfgesellschaft auf. Der beste Ort für sie ist der Platz, wohin Gott die Eltern berufen hat. Wir liessen sie am Auftrag von uns Eltern teilhaben, so oft dies möglich war. Immer wieder begleiteten sie uns auf Rettungsflügen in den Busch. So konnten sie sehen, wie die Menschen in diesen abgelegenen Gebieten leben. Was für ein Vorrecht! Weil sich unsere Töchter als Teil unseres Dienstes fühlten, verstanden sie sich als wertvolle Partner in unserem Auftrag.

 

Unsere Kinder setzten ihren Fuss in Länder, wo andere nur davon träumen. Sie trafen Menschen aus vielen Kulturen und schlossen Freundschaften mit ihnen. Sie sprechen fliessend mindestens drei Sprachen. Ihr Horizont wurde erweitert. Der überfliessende Lebensstil Europas trübt nicht ihr Verständnis von der Realität des Lebens in anderen Erdteilen.

 

Ein weiterer Vorteil ist, zu sehen, wie Erwachsene im Glauben an Gott und im Vertrauen auf seine Versorgung leben, so unvollkommen wie sie auch sein mögen. Sie erleben, wie ihre Eltern und ihre Kollegen ihre Anliegen im Gebet Gott kundtun und dann Gottes Treue erleben, indem ihre Gebete beantwortet werden. Das stärkt ihren Glauben.

 

Also ja: das Leben in Drittweltländern hat seine Herausforderungen. Aber die Vorteile überwiegen weit mehr als die Nachteile. Unsere ältere Tochter lebt nun in Frankreich und geht einer medizinischen Ausbildung nach. Sie sagt uns, wie dankbar sie sei für die guten Werte, die sie zuhause mitbekommen habe und für all das Abenteuerliche, das wir zusammen rund um die Welt erleben konnten.

 

Caro schläft im Helikopter im Busch
Caro schläft im Helikopter im Busch
Der Helikopter ist Andies Klassenzimmer
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Andie verteilt Schulmaterial an arme Kinder
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Caro hilft ihrem Daddy beim Auftanken des Helikopters
Caro hilft ihrem Daddy beim Auftanken des Helikopters
Mithilfe in der mobilen Zahnarztpraxis
Mithilfe in der mobilen Zahnarztpraxis

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