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"Im Innern krank"

Wenn wir Fluganfragen bekommen, kann es gut mal heissen, der Patient sei «im Innern krank», was wirklich alles bedeuten kann und wir wissen nicht, in welchem Zustand wir den Patienten antreffen werden. Die Person ist in der Regel schwerkrank.

 

Ich freue mich immer wieder einmal auf ein langes Wochenende, das ich gerne mit meiner Familie verbringe. Bei meinem letzten langen Wochenende war ich jedoch auf Abruf bereit für Notfallflüge und es wurde nichts mit Ausspannen. Am Samstag musste ich für mehrere medizinische Notflüge ausrücken. Der erste brachte mich zu Nduga Stamm, wo ich Weduen, eine hochschwangere Frau abholen musste. Sie hatte bereits einige Zeit übertragen, das Baby wollte jedoch nicht kommen und sie lag in grossen Schmerzen. Ich flog Weduen und ihre Familie nach Walkama, wo wir eine schwerkranke Frau namens Derena aufluden. 23 Minuten später landete ich beim Krankenhaus in Wamena, wo ich die beiden Patientinnen und Familienangehörigen auslud und den Krankenschwestern übergeben konnte. Weduen gebar später ein gesundes Baby, und ich konnte sie wieder zurück in ihr Dorf fliegen.

 

Von Wamena flog ich direkt weiter in den Yali Stamm, in ein kleines Dorf neben einem steilen Abhang. Der kleine Landeplatz lag auf über 1800 m ü. M. und mit einem ziemlich starken Rückenwind war das Fliegen herausfordernd. Als ich landete, erfuhr ich von einem lokalen Mann, die Patientin hätte vor vier Tagen ein gesundes Baby zur Welt gebracht, aber die Plazenta sei steckengeblieben. Ihre Hütte befand sich weiter den Abhang hinunter. Er versicherte mir, dass es dort eine Landemöglichkeit gebe und so kam er mit mir, um mir den Weg zu weisen. Leider war es dort viel zu steil, als dass ein Helikopter hätte landen können, und wir flogen wieder zurück ins Dorf. Dort musste ich warten, bis mehrere Männer die völlig entkräftete Mutter den Steilhang hochgetragen hatten. Nach 40 Minuten war es soweit und wir flogen auf direktem Weg zum Krankenhaus, wo auch sie von einer Krankenschwester in Empfang genommen wurde. Zurück im Hangar musste ich den Helikopter vom Blut der Patientin reinigen.

 

Am Montag fragte mein Sohn, ob er einmal auf einen Flug mitkommen dürfe. Ich sagte: «Sicher, aber dies wird in den kommenden Wochen kaum möglich sein.» Nur Minuten nach diesem Gespräch erhielt ich einen Anruf für einen Notflug und es hatte Platz für meinen Sohn zum Mitkommen. Da der Patient in einem für uns unbekannten Dorf im Stamm der Lani zuhause war, flog ich nach Mamit und nahm einen lokalen Mann mit, der mir den Weg zeigte. Nach acht Minuten Flug erreichten wir den Patienten, luden ihn und einen Begleiter in den Heli ein und flogen zum Wamena Krankenhaus. Leider konnte sein Leben nicht mehr gerettet werden. Tod und Leben liegen so nahe beieinander. Wir konnten jedoch an diesem langen Wochenende einigen Menschen helfen und Menschenleben retten.

 

Matt, Pilot

 

helimission, papua, medevac
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