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Starker Einfluss der Familie

Kürzlich wurde ich von der Frau eines unserer Piloten angefragt, ob ich einen Patienten im Krankenhaus besuchen könnte. Gemäss der Geschichte, die wir gehört haben, waren zwei Leute beim Holzen tödlich verunglückt. Bianus, unser Patient, wollte ihnen zu Hilfe kommen und hat sich dabei selber schwer verletzt.

 

Bianus erlitt eine offene Wunde mit Waden– und Schienbeinbruch am rechten Bein, und ebenfalls auf der linken Seite zwei etwas weniger komplexe Brüche. Nach knapp einer Woche führte der Arzt ein Débridement durch, das heisst, das abgestorbene Gewebe wurde chirurgisch entfernt. Ich schaute mir mit der holländischen Ärztin die Röntgenbilder an und wir waren uns einig, dass aufgrund der Komplexität des Bruches und der offenen Wunde, die nach wie vor stark infiziert war, es besser wäre, ihn in ein Krankenhaus an der Küste zu verlegen. Unser Pilot fragte bereits bei der Flugorganisation MAF für einen Weiterflug dorthin an. Die Ärztin erkundigte sich bei einer Kollegin für ein geeignetes Krankenhaus in Traumamedizin. Wir dachten, dem Weitertransport an die Küste stehe nichts mehr im Wege. Weit gefehlt. Bianus ist noch nicht volljährig und die Familie entschied sich gegen einen Transport, weil er hier in Wamena Verwandte habe und sie zu ihm schauen könnten, obwohl er eine Begleitperson hätte mitnehmen dürfen. All unsere logischen Argumente mit unserer westlichen Denkweise, wie eine bessere medizinische Versorgung aussähe, schlug die Familie in den Wind.

 

Nach drei weiteren Wochen operierte der zuständige Arzt in Wamena Bianus Brüche. Die Röntgenbilder sahen gut aus, doch waren wir nach wie vor besorgt, weil die Wunde immer noch infiziert schien. In westlichen Ländern würde man als erstes die Infektion behandeln und dann erst den Bruch, weil die Marknagelung (langer Metallstift, der den gebrochenen Knochen fixiert) die Infektion der Wunde auf den Knochen übertragen könnte, was sehr gefährlich wäre... (… Fortsetzung folgt!)

 

Melanie

 

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