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Perlen aus der Pionierzeit - Der Gorillapfad (1/3)

(gekürzter Auszug aus dem Buch «Mehr als ein Abenteuer»)

 

Ende der 1960er Jahre galt Ernst Tanners Interesse dem riesigen Regenwaldgebiet im Süden Kameruns, nahe dem Äquator. Man vermutete einige Pygmäendörfer am Rande der Zivilisation – in Wirklichkeit lebten dort jedoch viel mehr Menschen, abgeschieden und unerkannt.

 

Ernst Tanner plante mit seinem Mitarbeiter Marcel einen 7-tägigen Fussmarsch quer durch den tiefen, noch unerforschten Urwald von Yokaduma nach Lomie. Auf seiner ersten Afrikareise hatte Ernst einen Studienfreund in Kongo­Brazzaville besucht, Von ihm hörte er zum ersten Mal vom kleinen Volk der Pygmäen. Als ihm Joe erzählte, wie er vor Jahren mit dem Boot den Oubangui-Fluss heraufgekommen, am Ufer im Zelt gewohnt, allmählich einen Kontakt zu den Buschmenschen gefunden und nun eine kleine fröhliche Pygmäenschar um sich gesammelt hatte, kam Ernst aus dem Staunen nicht mehr heraus. Er erfuhr, dass die Regierung die Pygmäen erst seit kurzer Zeit als Menschen anerkannt und zu Staatsbürgern erklärt hatte. Vorher waren diese Leute, die nur von der Jagd und vom Fischfang lebten, als Tiere abgestempelt worden. In den wenigen Tagen seines Besuches, bei Wettkämpfen im Kanufahren und Armbrustschiessen, bei Küchenbau und Gottesdiensten im Freien, lernte Ernst diese Menschen, die ihm alle nur bis zur Schulter reichten, kennen und lieben. Sie lebten alle versteckt in den Tiefen der Wälder, im nördlichen Teil des Kongos ebenso wie in den südlichen, sumpfigen Gebieten des Urwaldes von Kamerun. Und gerade auf diese Region hatte Ernst nun sein Augenmerk gerichtet. Dies war der unbekannte Fleck auf der Kamerun-Karte. In diesem Bereich wollte er die Pygmäen suchen und ihnen die «Frohe Botschaft» von Gott bringen.

 

Zusammen mit Marcel hatte er sich genauestens auf diese Reise vorbereitet, vielerlei Dinge eingekauft, die ihm zum Überleben im Urwald nützlich erschienen. Die Zugfahrt in Kamerun in überfüllten Wagen, die Lastwagenfahrt über Strassen und Brücken, die jeder Beschreibung spotteten, die Ankunft in Yokaduma - endlich absteigen, Glieder strecken, Quartier suchen. Am nächsten Tag galt es, Afrikaner zu finden, die bereit waren, auf dem langen Marsch als Träger zu dienen. Ernst machte mit ihnen einen schriftlichen Vertrag. Zugleich erfuhr er, dass genau zwischen diesen beiden Orten ein Buschpfad, der „Gorillapfad“ existierte. Aggressive Gorillas hatten ihm seinen unvergesslichen Namen gegeben.

 

(Fortsetzung folgt)

 

gorillapfad, kamerun, ernst tanner, traeger, gepaeck
Ernst Tanner mit seinen Trägern
gorillapfad, kamerun, ernst tanner, zelt, ameisen
Ameisen überall
gorillapfad, kamerun, zelt, kocher, ernst tanner, traeger
beim Kochen
gorillapfad, kamerun, ernst tanner, buschhuette, moskitonetz
einfache Hütte im Urwald

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